Weinsüden: Baden trifft Württemberg

Grenzgänger-Geschichten aus dem Süden

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Weinsüden Baden-Württemberg © Christoph Düpper – Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg (TMBW).

STUTTGART – Die Weinregionen in Baden-Württemberg stecken voller Geschichte und Geschichten, kurioser Besonderheiten und Anekdoten, von denen es zu erzählen lohnt. Vor allem in den Grenzregionen, dort wo Württemberg und Baden aufeinander treffen, liefern die (wechselnden) Grenzverläufe Anlass für so manches Kuriosum, zeigen Winzer vor Ort, wie sich die vermeintlichen Gegensätze zwischen beiden Regionen genussvoll vereinen lassen. Egal ob im Kraichgau, im Taubertal oder am Bodensee: Überall wo Baden auf Württemberg trifft, berichten Grenzgänger-Geschichten von der Vielfalt im Weinsüden.

Oberderdingen – Weinbauort zwischen Baden und Württemberg

In Oberderdingen geht man gleich mehrfach über Grenzen: Der Weinbauort zwischen Karlsruhe und Heilbronn liegt am Übergang vom Kraichgau in den Stromberg und exakt an der weinbaulichen Grenze zwischen Baden und Württemberg. Oberderdinger Winzer bewirtschaften Weinberge in beiden Weinregionen. Legt man die alten Klischees und Befindlichkeiten zugrunde, die über Jahrzehnte hinweg entstanden sind, dürfte es dies eigentlich nicht geben: Trauben aus Baden und Württemberg in einem Weingut, fast undenkbar.

Doch der Ort hat schon viele Grenzverschiebungen erlebt und wird seit Jahrhunderten vom Weinbau geprägt. Das zeigen nicht nur die Weintrauben im Wappen der Gemeinde. Eine Legende aus der Zeit des 30-jährigen Krieges besagt, dass Oberderdingen nur verschont wurde, weil der Pfarrer seinen Weinkeller öffnete. Nach dem Genuss des örtlichen Weins waren die kaiserlichen Truppen derart milde gestimmt, dass sie den Rückzug antraten. Die Geschichte, ob war oder nicht, zeigt in jedem Fall die friedenstiftende Wirkung, die vom Wein ausgehen kann. Kein Wunder also, dass sich heute Badische und Württemberger Weinstraße in Oberderdingen friedlich begegnen.
www.oberderdingen.de

Grenzgänger-Touren im Weingut Lutz

Im Oberderdinger Weingut Lutz stehen kulinarische Grenzgänge nicht nur auf der Speisekarte. Winzer Manuel Lutz, der das Weingut in vierter Generation führt, geht in seinen Weinbergen jeden Tag über Grenzen. Sieben Hektar stehen

auf badischer Gemarkung, zehn Hektar in Württemberg. Während er im badischen Kraichgau überwiegend Weißweine anbaut, prägen Rotweine seine Weinberge in den württembergischen Hügeln des Strombergs. Mit der besonderen Lage arbeitet das Weingut aber nicht nur im Weinkeller. Auf dem Programm steht auch eine „Grenzgänger-Bustour“ im Oldtimer-Bus, die Einblicke in die landschaftliche und weinbauliche Vielfalt dieser Grenzregion bietet.
www.weingut-lutz.com

Kürnbach – Hessen trifft Baden trifft Württemberg

Orte in Grenzlage wechseln über die Jahrhunderte gelegentlich ihren Landesherren – der ganz normale Lauf der Geschichte. Was dagegen in Kürnbach, einer Nachbargemeinde Oberderdingens, für rund 600 Jahre die Zeitläufte prägte, darf zurecht ein staatsrechtliches Kuriosum genannt werden: Bis 1905 war die Grundherrschaft über den Ort aufgeteilt, zunächst zwischen Hessen und Württemberg, später zwischen Hessen und Baden. Mit allen Konsequenzen: Neben zwei Bürgermeistern gab es auch zwei Standesämter und – Kürnbach ist Weinbauort – zwei Keltern. Bis heute gehören eine „Hessenkelter“ und eine „Badische Kelter“ zum Ortsbild. Besonders kurios: Erbaut wurde letztere einstmals unter den Württembergern.
www.kuernbach.de

„Grenzgänger“-Cuvée aus Kürnbach

Wer als Winzer im Grenzgebiet zwischen Baden und Württemberg arbeitet, muss zuweilen besonders kreativ sein. Als die Weinberge der Wengerterfamilie Grahm aus dem badischen Kürnbach im Zuge einer Flurbegradigung plötzlich auf beiden Seiten der Grenze lagen, stand man vor einer Herausforderung. Schließlich kamen Teile der ehemals badischen Reben nun nach Württemberg und gehörten damit weinrechtlich einer anderen Weinbauzone an. Eine Weiterverarbeitung durch die örtliche (badische!) Genossenschaft war nicht mehr möglich. So machte man aus der Not eine Tugend: Die grenzübergreifende Lage der Weinberge wurde zum Motto einer Rotwein-Cuvée aus badischen und württembergischen Trauben. Doch auch hier redet das Weingesetz mit. Die Cuvée mit dem treffenden Namen „Grenzgänger“ muss ohne Qualitäts- oder Lagenbezeichnung auskommen und darf sich lediglich „Deutscher Wein“ nennen. Dennoch: Weinkenner sind begeistert von der grenzüberschreitenden Synthese aus Baden und Württemberg.
www.gravino.de/weingut

Grenzenlose Weinerlebnisse auf der Weinstraße Kraichgau-Stromberg

In der Region Kraichgau-Stromberg begegnen sich Baden und Württemberg. Seit Jahrhunderten prägt der Weinbau Landschaften und Lebensgefühl im „Land der 1000 Hügel“. Entlang der Weinstraße Kraichgau-Stromberg, die sich auf 355 Kilometern zwischen der Rheinebene und dem Neckartal erstreckt, laden mehr als 40 Weindörfer zum Besuch ein – auf beiden Seiten der weinbaulichen Grenze.
www.kraichgau-stromberg.com

Liebliches Taubertal – Ein Fluss verbindet drei Anbaugebiete

Von der Quelle bis zur Mündung wandert die Tauber nicht nur mehrmals zwischen Bayern und Baden-Württemberg hin und her. Sie schlängelt sich auf ihrem Weg durch das Liebliche Taubertal auch durch drei verschiedene Weinbaugebiete auf engstem Raum. Im südlichen Taubertal, rund um Creglingen und Weikersheim, wachsen württembergische Reben. Ein paar Kilometer weiter im Norden beginnt mit Tauberfranken die nördlichste badische Weinbauregion. Doch im Taubertal treffen nicht nur das badische Tauberfranken und die nördlichen Ausläufer Württembergs aufeinander. Mit dem Weinbaugebiet Franken kommt auf bayerischer Seite ein weiteres hinzu, das dem Gemeinschaftsgefühl keinen Abbruch tut. Man versteht sich als einheitliche Region und vielleicht verwischen auch deshalb die Grenzen hier noch mehr als anderswo. Etwa beim traditionellen fränkischen Bocksbeutel, der auch im badischen Tauberfranken, nicht aber im württembergischen Taubertal zum Einsatz kommt.

Württemberger Weine vom Bayerischen Bodensee

Auch am Bodensee trifft Baden auf Württemberg. Östlich von Friedrichshafen, rund um Kressbronn, erstreckt sich das Anbaugebiet „Württembergischer Bodensee“. Hinzu kommt eine Besonderheit, die es in dieser Form nur im württembergisch-bayerischen Grenzgebiet gibt: In den bayerischen Weinbauorten Wasserburg, Nonnenhorn oder Lindau werden Weine mit einer reichlich kuriosen Herkunftsbezeichnung abgefüllt. Auf den Etiketten ist zu lesen: Bereich Bayerischer Bodensee/Anbaugebiet Württemberg.

Besen trifft Straußen

Sie sprießen überall in den Weinbaugebieten aus dem Boden, in Baden und in Württemberg, im Frühjahr und im Herbst – sobald der erste Wein ausgeschenkt wird. Die Besen- und Straußenwirtschaften werden meist von den Winzern direkt betrieben und sind nur wenige Wochen im Jahr geöffnet, viele von ihnen in einfachen Scheunen, Kellern oder Garagen. Geschmückte Reisigbesen vor dem Haus verraten, dass die Saison eröffnet ist und laden zum Besuch ein. In Württemberg heißen sie Besenwirtschaft oder „Besa“. Im Badischen nennt man sie „Straußen“ oder „Straußi“. Einzigartig ist die Atmosphäre in jedem Fall.

Zum Schluss zwei Superlative: Die höchsten deutschen Weinberge

Auch hier reichen sich Württemberg und Baden die Hand: Beide Anbaugebiete dürfen für sich die höchstgelegenen deutschen Weinberge in Anspruch nehmen. In Baden erstrecken sich die Weinberge am Hohentwiel bis auf über 562 Meter. Unterhalb des Hohenneuffen reichen die höchsten Württemberger Reben bis auf etwa 527 Meter. Für beide Weinbaugebiete gilt: Im Weinsüden wachsen die Reben hoch hinaus.

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